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Energiewende, Ressourcenwende und Ernährungswende gehören zusammen

Seit etwa 30 Jahren fordert Friedrich “Bio” Schmidt-Bleek eine Verringerung des durch die industrielle Wirtschaft verursachten Ressourcenverbrauchs um den “Faktor 10”, also um 90% auf ein Zehntel.

Die Erfüllung des 1,5-Grad-Ziels erfordert neben spezifischen energiepolitischen Maßnahmen auch eine Erhöhung der Ressourceneffizienz. In diese Richtung weisen auch (wieder einmal) unsere Ergebnisse im Projekt meetPASS: ohne eine „Dematerialisierung“ – Reduzierung des Ressourcenverbrauchs – wird Klimapolitik nicht gelingen.

Im meetPASS-Szenario wurde angenommen, dass sich die Ressourcenproduktivität in 50 wichtigen Technologiebereichen, bei Amortisationszeiten der erforderlichen Investitionen von 5 Jahren, um 1% pro Jahr  erhöht. Im Hinblick auf Metallerze wird im COP21-Szenario angenommen, dass bis 2050 die Hälfte der primären Erze zur Metallherstellung durch sekundäre ersetzt werden. Darüber hinaus wurde eine „Upstream-Steuer“ auf Metallerze und nicht-metallische Minerale unterstellt, die bis 2050 auf 25% ansteigt. Eine echte Kreislaufwirtschaft (=Dematerialisierung) einerseits und Klimaschutz andererseits gehören also untrennbar zusammen.

Schließlich wurde angenommen, dass ein umfassendes und detailliertes Informationsprogramm zur Förderung der Ressourceneffizienz ausgearbeitet wird:

– Die Effizienzsteigerungen umfassen nur eine begrenzte Auswahl von 50 Technologien.
– Die erreichbaren Verbesserungen der Ressourceneffizienz in Bezug auf die gewählte Technologie sind eher gering (+ 1% p.a.).
– Die angenommenen Kosten, die notwendig sind, um die Effizienzsteigerungen zu erzielen, sind recht hoch (das Doppelte der erzielten Einsparungen von einem Jahr für Forschungs- und Entwicklungsausgaben, das Doppelte der erzielten Einsparungen von einem Jahr für Beratungsausgaben und das 2,5-fache der Einsparungen von einem Jahr für Investitionen).

Die Modellierung des meetPASS-Szenarios mit dem Modell GINFORS zeigt, dass der Einsatz dieser Instrumente eine Ressourceneinsparung generiert, die in etwa gleich hoch ist wie die gleichzeitig angenommene Dekarbonisierung entstprechend der IPCC-Vorgaben. Während  die globale Ressourcenproduktivität (GDP/RMIabiotic) mit einem „Business as usual“ nur um weniger als 0,5% pro Jahr steigen würde, würde sie sich im meetPASS-Szenario bis 2050 fast verdreifachen (+180%), während RMCabiotic pro Kopf um 56% statt um rund 20% im BAU sinken würde. In Europa (EU 27) sind diese Effekte noch stärker. Die Ressourcenproduktivität würde um den Faktor 4 steigen, während die RMCabiotic pro Kopf um 63% von 12,1 auf 4,3 Tonnen (und in meetPASS+ um fast 70% auf 3,5 Tonnen) sinken würde.

Im Hinblick auf Ernährungsgewohnheiten wurden zwei Annahmen getroffen: Die erste betrifft Lebensmittelabfälle. In diesem Zusammenhang wird davon ausgegangen, dass innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte auf jeder Stufe (Biomasseinputs in der Nahrungsmittelproduktion, Nahrungsmittel- und Getränkeinputs in der Gastronomie, Endverbrauchsausgaben für Nahrungsmittel und Getränke) eine Reduktion der Masseninputs um 10% erreicht wird, ohne Einbußen bei der qualitativen Produktion.

Die zweite Annahme betrifft die Fleischnachfrage pro Kopf. Dabei geht das meetPASS-Szenario von einer Wachstumsrate aus, die um 2-3 Prozentpunkte niedriger ist als im BAU-Szenario. Diese Annahme führt nicht nur in den Industrieländern zu einem deutlichen Rückgang der Fleischnachfrage pro Kopf (in kg pro Jahr).

In einem dritten Szenario namens „meetPASS+“ werden transformative Elemente der Zivilgesellschaft wie ein Wandel zu weniger materialistischen Lebensstilen zum meetPASS-Szenario hinzugefügt.

Dabei wird davon ausgegangen, dass immer mehr Menschen ihre Arbeitszeit reduzieren und damit ihre Konsumausgaben reduzieren müssen, da sie die Freizeitgewinne höher bewerten als die Verluste im (materialistischen) Konsum. Diese Annahme gilt nur für die Industrieländer. In Bezug auf die Größenordnung/Geschwindigkeit dieses Transformationselements wird davon ausgegangen, dass die Arbeitszeit pro Mitarbeiter bis 2050 im Durchschnitt um 20% reduziert wird (im Vergleich zum COP21-Szenario ohne diesem Transformationselement).

Die gute Nachricht ist – wie bereits kommuniziert:  eine solche Reduktion ist ohne wirtschaftlichen Zusammenbruch möglich. Die Wirtschaft würde sogar stärker wachsen (global um 100% statt „nur“ um 85%). Und in Europa wäre die wirtschaftsankurbelnde Wirkung noch stärker. Statt erwarteter 31% Erhöhung des europäischen Bruttoinlandsprodukts (was im langjährigen Durchschnitt unter 1% bedeutet) ohne verstärkte Klima- und Ressourcenpolitik wären so 45% möglich, was einer Verstärkung des Wachstums von fast 50% entspricht.

Präsentation zu den Ergebnissen (PDF)

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